Aber wenn wir ein Bild entwerfen, werden Sie die Augen verschließen (2018)

Screening im Kunstverein Nürnberg begleitend zur Ausstellung Die Stelle des Schnitts.

24.05.18

19 Uhr

Alice Creischer / Andreas Siekmann / Josef Strau / Amelie von Wulffen, Harun Farocki, Anna Bella Geiger, Sung Tieu, Peter Thompson

 

Manchmal funktioniert es wie ein Krimi: Opfer, Täter_in, Tathergang, Motiv. Die Aufklärung steht dann natürlich am Ende und manchmal ist das entscheidende Indiz die Tatwaffe an der die Fingerabdrücke nur unsauber abgewischt wurden und die in irgendeinem entlegenen Waldstück zufällig von einem arglosen Wanderer gefunden wurde. Endlich kann die entscheidende Verbindung hergestellt werden. Unter der Last der Beweislage bricht die Täter_in dann manchmal unter Tränen zusammen und gesteht wie es wirklich war: manchmal ist es Eifersucht, manchmal Neid, und meistens persönlich.

Der Titel des Screenings ist ein doppeltes und falsches Zitat: Halb entnommen aus Harun Farockis Nicht Löschbares Feuer (1968) und halb aus der Kollaboration Die krumme Pranke (1997), in dem Farocki nur halb und fast richtig zitiert wird. Halb und fast richtig zitieren bedeutet: eine Spur legen um sie gleichzeitig zu verwischen; oder eine Spur weiterentwickeln, die schon irgendwoanders angefangen und nicht ganz zuende geführt wurde. Vielleicht ist das die Verbindung zwischen Zitat und Krimi, zwischen Philologe und Detektiv: die grausame Wahrheit durch eine zufällige Spur ans Licht bringen.
Die Filme, die wir hier zeigen sind falsche Philologien und echte Krimis: Sie entwerfen Bilder – d.h. sie benutzen, analysisieren und organisieren Bilder – um den Dingen auf den Grund zu gehen. Langsam wird man an die Wahrheit herangeführt; langsam werden Motive und Tathergänge dargelegt bis es irgendwann so klar wird, das sich die Klarheit anfängt zu drehen. Manchmal im Kreis, und manchmal in einer Spirale. Dabei wird klar, dass die entworfenen Bilder gleichzeitig Spur und Motiv, Täter und Opfer sind.